Narbentherapie – Ursachen und Lösungen in der Physiotherapie

Was ist eine Narbe? Anatomie und Entstehung 

Klassisch gesehen ist eine Narbe das Ergebnis eines Traumas und besteht aus faserreichem Ersatzgewebe als Endzustand einer Wundheilung .

Narben können sich in ihrer äußeren Erscheinung stark unterscheiden (Rötung, Schwellung, wulstig oder eingezogen  u.v.m.), aber auch besonders in tieferen Schichten Störfelder entwickeln, die direkt am Ort des Traumas spürbar sind, oder auch in andere Bereiche ausstrahlen (Gelenke, Organe, Muskeln, vegetative Störungen).

Unterschiede in Narben und tiefe Störfelder

Narben können innerhalb unseres Körpers zu funktionellen Problemen führen und das auch über viele Jahre hinaus. Diese können sich durch Bewegungseinschränkungen, Schmerzen, Schwellungen oder Funktionsstörungen äußern. Oft ist uns nicht bewußt, daß dies durch Narben verursacht sein kann, zumal uns viele Narben gar nicht mehr bewußt sind. Auch äußerlich gut verheilte Narben, können in der Tiefe Störungen hervorrufen.

Funktionelle Probleme durch Narben: Symptome und Auswirkungen

So können beispielsweise immer wiederkehrende Rückenschmerzen von Narben nach Blinddarm-, Eierstock-, Eileiterentfernungen, Kaiserschnitten oder anderen Opérationen im Bauchbereich herrühren.

Über funktionale Verkettungen, können Schmerzen an ganz anderen Abschnitten des Körpers entstehen wie beispielsweise Nackenschmerzen durch eine Achillissehnenrupturnarbe. Viele Narben rühren von Unfällen mit operativer Versorgung her. Diese befinden sich oft in Gelenknähe (Sprunggelenksfraktur, Patellefraktur, Unterarmfraktur u.v.m.). So kann eine „verklebte“ Sprunggelenksfraturnarbe, zu Störungen in allen darüberliegenden Gelenken führen oder durch Kompensation eines nicht gut abzurollenden Fußes, das andere Bein überlasten.

Wann und warum Narbenbehandlung in der Physiotherapie?

Präventiv ist es aus unserer Sicht ratsam, jede Narbe in der Heilungsphase durch spezielle sanfte Techniken zu unterstützen. Aber auch ältere und alte Narben sind behandelbar. Nicht selten ist es so, daß der Körper über eine längere Zeit Einschränkungen durch eine Narbe gut ausgleichen/kompensieren kann. Kommt es dann aber zu einer erneuten Verletzung, Unfall, Stressoren jeglicher Art, kann der Körper dieser Kompensation nicht mehr nachkommen.

Praxisbeispiele: Erfolgreiche Narbentherapie

Fall 1: Hüftschmerzen nach Lipom-OP

Eine Patientin kam mit starken Schmerzen beim Laufen im Bereich des rechten Hüftgelenks in unsere Praxis. Die funktionelle Untersuchung des Hüftgelenkes ergab keine nennenswerten Einschränkungen. Im unteren rechten Rückenbereich fiel mir eine eingezogene relativ frische Narbe auf. Hier wurde der Patientin vor ca. 8 Wochen ein sehr großes Lipom (gutartiges Fettgeschwür) entfernt. Kurze Zeit darauf begannen die Schmerzen, die die Patientin aber nicht mit der OP in Verbindung gebracht hatte. Nach ein paar Behandlungen mit Schwerpunkt auf der Narbe, war die Patientin beschwerdefrei.

Fall 2: Chronische Rückenschmerzen durch Eileiter-Narbe

Eine Patientin kam mit heftigen Rückenschmerzen in die Praxis. Diese waren so stark, daß sie nur mit  Schmerzmitteln über den Tag kam. Nach den Therapien (Krankengymnastik, Manuelle Therapie, Massage) ging es ihr immer gut, allerdings kamen nach ein paar Tagen die Schmerzen in der gleichen Intensität zurück. So suchte ich nach anderen möglichen Ursachen, als bisher angenommen. Vor ca. 20 Jahren hatte sie eine Eileiterentfernung. Die Narbe war blaß, klein und relativ unauffällig, tastbar aber unbeweglich und schmerzempfindlich. Nach Einbeziehung der Narbe in die Behandlung, wurden die schmerzfreien Intervalle immer langanhaltender.   

Fall 3: Kaiserschnitt-Narbe und Unterbauschmerzen

Eine Patientin hatte vor einem Jahr eine Kaiserschnittentbindung. Nach der Geburt ihrer Tochter, kam es leider zu einem Infekt der Wunde und einer verzögerten Wundheilung. Nach einigen Monaten begannen starke Schmerzen während der Periode, später auch unabhängig davon. Diese Schmerzen zeichneten sich durch starkes Ziehen im Unterbauch aus und steigerten sich zwischendurch so stark, daß sie ihre Tochter kaum aus dem Bett heben konnte. Durch die Narbenbehandlung konnten wir die Symptomatik zunehmend verbessern                                    

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